· 

Du hast ein Recht auf deine Lustlosigkeit

Ich habe eine handfeste Yoga-Krise.

Wie es dazu kam und was diese Krise mich lehrt, teile ich mit dir. Warum ich diese Krise habe… tja, wenn ich das wüsste, wäre sie wahrscheinlich schon überstanden.

 

Beinahe täglich habe ich meine Matte ausgerollt. Monatelang. Und sobald ich mit den nackten Füßen meine vertraute Matte berührte, kamen die Bewegungen wie von alleine zu mir. Und ich habe diesen Flow-Zustand unheimlich genossen. Natürlich hatte ich damals schon intensivere Phasen und weniger intensive, aber so ist das nun mal bei mir, dachte ich.

 

 

Aber diesmal fühlt es sich anders an...

 

Wenn ich jetzt meine Matte ausrolle, ist da eine große Leere. Wenn ich sie überhaupt ausrolle. Ich fühle mich blockiert. Ein Gefühl von Sinnlosigkeit macht sich in mir breit und ich kann das Gedankenchaos nicht abstellen. Irgendwie habe ich den Zugang zu Yoga verloren…

 

 

Bin ich jetzt eine schlechte Yogalehrerin?

 

Mein Zugang war damals der gesundheitliche Fitnessaspekt. Und irgendwie ist das für mich immer so gewesen, auch wenn Yoga mit der Zeit an Bedeutung gewonnen hatte. Ich habe gemerkt, dass es mir gut tut, dass es mir hilft mich zu entspannen und den Kopf abzuschalten, kreativ zu sein. Rational weiß ich natürlich immer noch, dass es mir gut tun WÜRDE, das meine Rückenschmerzen weg gehen WÜRDEN, aber ich will nicht. Ich habe keine Lust meine Matte auszurollen. Wenn ich Kurse gebe, ist das anders. Das macht mir immer noch großen Spaß. Aber da mache ich es FÜR die Menschen, die in meine Kurse kommen. Nicht für mich.

 

 

Ich habe mich richtig schlecht gefühlt wegen dieser keine-Lust-auf-Yoga-Geschichte. Ich meine, eine Yogalehrerin MUSS doch eine eigene Praxis haben. Überall wird betont, wie wichtig eine eigene Praxis ist. War ich deswegen jetzt eine schlechtere Lehrerin? All diese fiesen Ego-Gedanken spukten in meinem Kopf herum und ich hatte richtig Schuldgefühle, bis mir etwas Wichtiges klar wurde:

 

 

Ich habe ein Recht auf meine Lustlosigkeit, auf meine Krise.

 

Dieser Satz mag auf den ersten Blick vielleicht komisch klingen, aber auch Yogalehrer müssen nicht 24/7 glücklich sein. Du darfst eine Krise haben und du darfst auch mal keine Lust auf Yoga haben. Das ist absolut normal und menschlich. Und niemand hat das Recht (und die Macht) dir deswegen ein schlechtes Gewissen einzureden.

 

 

Ja als ich das endlich mal kapiert hatte und mich von diesen ganzen, von außen eingetrichterten, Glaubenssätzen trennen konnte, war da endlich Akzeptanz. Ich konnte meine Situation annehmen und akzeptieren. Und fast sowas wie Mitgefühl für mich empfinden.

 

 

Und doch…

 

 

… wenn ich dann wieder alleine auf der Matte stehe, ist da wieder diese große Leere. Das Gefühl gegen eine Wand zu laufen. Eine unsichtbare Grenze. Das Gefühl nicht weiter zu kommen.

 

 

Eine Zeit lang habe ich es nicht hinterfragt. Wie gesagt, habe ich hin und wieder solche Phasen. Aber diese Phase dauert jetzt schon sehr lange an. Ich glaube ich habe, nur für mich, seit mehr als drei Monaten kein Yoga mehr gemacht. Wobei das nur eine grobe Vermutung ist, die Dunkelziffer liegt vermutlich viel höher…

 

 

Doch mir ist klar geworden, dass diese Blockade, diese Lustlosigkeit etwas zu bedeuten hat:

 

 

Ich muss einen anderen Weg finden. Meinen persönlichen Weg zurück zu MEINEM Yoga.

 

Vielleicht heißt das, dass ich einfach mal eine Pause in meiner persönlichen Praxis brauche. Vielleicht heißt es aber auch, das Yoga für mich mehr ist als der Fitnessaspekt. Vielleicht brauche ich Meditation. Und ein Sitzkissen.

 

 

Meist ist es doch so, dass in unseren Schwierigkeiten und Krisen, die größten Lernaufgaben stecken. Und ein persönlicher Weg ist in den wenigsten Fällen schon vorab gepflastert.

 

 

Vielleicht kennt der ein oder andere von euch diese oder eine ähnliche Situation. Was habt ihr gemacht um aus diesem „Tief“, nenne ich es mal, wieder raus zu kommen?

 

 

Folge deinem Gefühl,

Nadja

Kommentar schreiben

Kommentare: 0